Achten Sie auf Ihre Metaphern

Achten Sie auf Ihre Metaphern

Metaphern können uns Energie verschaffen und Metaphern können uns Energie rauben. Sie können uns antreiben und sie können uns lähmen. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, was wir für Metaphern wählen. Das gilt insbesondere für jene Metaphern, mit denen wir wichtige Erfahrungen unseres Lebens beschreiben.

 

Starke Wirkung von Metaphern

In Rhetorikseminaren weisen die Schulungsleiter meistens schon sehr frühzeitig auf die Bedeutung von Metaphern hin. Und es stimmt ja auch: Wortbilder bleiben, wenn sie klug gewählt sind, in den Köpfen hängen. Wir hören Menschen, die eine bildhafte Sprache verwenden in aller Regel viel lieber und mit höherer ‚Aufmerksamkeit zu, als Menschen, die darauf verzichten.

 

Rückwirkung auf den Verwender von Metaphern

Doch die Wirkung von Metaphern ist nicht nur auf die Zuhörer einer Rede groß. Noch größer ist sie wohl als Rückwirkung auf denjenigen, der die sie einsetzt. Und das ist ja nicht nur bei der Kommunikation mit anderen möglich, sondern genauso bei der Kommunikation mit sich selbst. Auch wenn sie in nur gedanklich vollzogenen Selbstgesprächen eingesetzt werden, entfalten Metaphern eine große Kraft.

 

Besonders wichtig – Metaphern in der Krise

„Das hat mir den Genickschuss gegeben“. Mit diesen Worten schilderte mir vor vielen Jahren eine Berufskollegin eine Erfahrung im beruflichen Umfeld. Nach einem Genickschuss ist man normalerweise ziemlich tot, bei unfassbarem Glück vielleicht auch „nur“ gelähmt. Und genau diesen Eindruck machte sie auch auf mich: irgendwie zwischen gelähmt und tot.
Das auslösende Ereignis, von dem mir die Kollegin damals erzählte, habe ich längst vergessen. Nicht vergessen habe ich, dass sie während des Weiterbildungswochenendes insgesamt durchaus entspannt war. Im Moment als sie mir von ihrem Erlebnis berichtete aber überhaupt nicht. Die gewählte Metapher hat ihre Gefühle zumindest mitausgelöst oder jedenfalls massiv verschärft.

 

Vorsicht vor dem „Haifischbecken“

Seither habe ich mich immer darauf geachtet, gerade in schwierigen Zeiten gute Metaphern für meine Situation zu finden. Metaphern, die zwar meine Situation nicht beschönigen, mich aber stets als handlungsunfähig beschreiben. Es macht schon einen Unterschied auf die Gefühlslage, ob ich die Arbeitssituation als „Haifischbecken“ oder als „Wettkampfatmosphäre“ beschreibe. In einem Haifischbecken sind sie nicht mehr handlungsfähig, es sei denn, Sie sind ein ausgewiesener Hai-Experte. Im Normalfall würden Sie sich eher in einer Schockstarre befinden und allenfalls noch ein Stoßgebet gen Himmel senden.

 

Der Frosch, der die Milch zu Butter macht

Und ebenfalls macht es einen Unterschied, ob ich einfach nur feststelle, dass mir „das Wasser bis zum Hals“ stehe oder ob ich mit Entschlossenheit und Humor zugleich von mir selbst sage: „Ich bin der Frosch, der die Milch zu Butter macht“. Diese Aussage bezieht sich auf die Metapher vom Frosch, der im Milchkessel zu ertrinken droht. Er rettet sich dadurch, dass er ausdauernd mit seinen Beinen strampelt, worauf die Milch zu Butter wird und er schlussendlich rausspringen kann. Es ist meine Lieblingsmetapher in krisenhaften Zeiten und hat mir schon oft durch solche hindurch geholfen.

Markus Frey, Life-Coach, Köln
info(ät)stressfrey.de

PS Mehr über die Wirkung von Metaphern und wie Sie sie ggflls. verändern können, finden Sie auf den Seiten 102-107 in meinem Buch "Den Stress im Griff". Darüber hinaus erhalten Sie viele weitere Tipps, die es Ihnen erlauben, mit neuer Souveränität Ihren Alltagsstress zu meistern.

2021-02-08T14:38:13+01:00 Allgemein, Denken|0 Kommentare

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