Zu hohe Ziele erhöhen die Burnoutgefahr – zu kleine (oder gar keine) auch!

Zu hohe Ziele erhöhen die Burnoutgefahr – zu kleine (oder gar keine) auch!

Irgend jemand hat es in den Raum gestellt und jetzt sagt es einer dem anderen nach: Wer sich persönliche Ziele setzt, erst Recht, wenn es „hohe“ Ziele sind, ist automatisch burnoutgefährdet. Doch die Aussage ist in dieser Absolutheit schlicht falsch.

 

Es gibt weitaus mehr burnoutgefährdete als zielorientierte Menschen!

Sicher, wer sich mit viel zu hohen Zielen dauerhaft selbst überfordert,  hat natürlich ein erhöhtes Burnoutrisiko. Wenn dann noch, wie es häufig der Fall ist, eine unzureichende Erholung dazukommt, erst recht. Aber Hand aufs Herz: Wie viele Menschen kennen Sie, die Sie ohne Wenn und Aber als „zielorientiert“ bezeichnen würden? Bei mir sind dies zwar eine ganze Reihe. Aber ich bin mir sehr bewusst, dass dies vor allem daran liegt, dass ich sehr gezielt(!) nach solchen Menschen Ausschau halte. Umfragen zufolge sind es aber kaum mehr als 3 bis 5% der Bevölkerung, die sich jenseits der Ausbildungszeit überhaupt noch konkrete Ziele setzen. Demgegenüber stehen die Zahlen der bereits von einem Burnout betroffenen bzw. der Burnoutgefährdeten. In manchen Berufsgruppen liegen diese bei über 20%, bei manchen (wie Lehrern, Ärzten, IT-Fachleuten u.a.) auch deutlich darüber.

 

Kennzeichen der Burnoutgefährdung: Sinn- Zielverlust!

Andererseits beklagen Burnoutpatienten in Umfragen immer wieder, dass sie ihre Ziele komplett aus den Augen verloren hätten. Dies geht meistens einher mit der Aussage, dass sie das Gefühl für den Sinn des Lebens im Allgemeinen und den Sinn der Arbeit im Speziellen verloren hätten. Zielverlust ist also ein wichtiges Kennzeichen einer Burnoutgefährdung.

 

Ermutigung zur Sinn-und Zielerarbeitung ist gefragt

Diese Ergebnisse können doch nur heißen, dass es in Bezug auf eine wirksame Burnoutprävention nichts Wichtigeres gibt, als Sinn- und Zielklarheit langfristig sicherzustellen. Leider ist gerade dies nur selten der Fall, im Gegenteil. Nur wenige haben es gelernt, persönliche(!) Ziele anzusteuern und diese auch bei Hindernissen nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Wenn Zielvereinbarungsgespräche das Gegenteil bewirken

Ich bin selbst vom Nutzen von Zielvereinbarungsgesprächen überzeugt. Trotzdem geht der damit verbundene Schuss allzu oft nach hinten los. Dies vor allem aus zwei Gründen. Erstens erleben allzu viele die so genannten „Zielvereinbarungsgespräche“ nicht als Vereinbarung, sondern lediglich als Vermittlung von Zielvorgaben. Das ist selbstverständlich etwas komplett anderes. Und zweitens gehen auch viele mit dem Eindruck aus diesen Gesprächen raus, dass allfällig vorhandene persönliche Ziele nicht nur von keinerlei Interesse sind. Allzu oft werden sie von beruflichen Vorgaben geradezu torpediert.

 

Fazit:

Es geht also darum, persönliche Ziele in verschiedenen Lebensbereichen (z.B. auch Gesundheitsziele und Beziehungsziele) zu formulieren und zu verfolgen und diese mit den beruflichen Zielen abzustimmen. Wer dies gelernt hat, der verschafft sich eine weit überdurchschnittliche Energie. Eine Spitzenenergie, die der Ziellose so niemals erfahren wird. Er wird auch wesentlich besser vor einem Ausbrennen geschützt sein, als einer der auf das Setzen von persönlichen Zielen ganz verzichtet. Aus Sorge, sich zu überfordern, wird hier leider oft ein Leben im Energiedefizit gewählt.

Eine umfassende Zielekompetenz sollte nicht nur zur Ausbildung von Führungskräften, sondern schon in der Grundausbildung in Berufsschulen und an Hochschulen zum Standard gehören. Dies würde mehr zum Gesundheitsmanagement beitragen als alle Wellness-Maßnahmen dieser Welt.

Markus Frey, Life-Coach, Köln
info(ät)stressfrey.de

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2018-10-22T10:46:53+02:00 Allgemein, Burnout|2 Kommentare

2 Kommentare

  1. MArtin Juppe 18. Oktober 2012 um 19:38 Uhr- Antworten

    ……und diese mit den beruflichen Zielen abzustimmen…..

    Was ist damit genau gemeint ?
    Welche Zeit bleibt noch übrig wenn ich meine beruflichen Ziele erreiche ?

    Vielen Dank für eine Nachricht

    MArtin Juppe

    • Markus Frey 19. Oktober 2012 um 19:06 Uhr- Antworten

      Nun, das hängt selbstverständlich von Ihren beruflichen Zielen ab und von der Art und Weise, wie Sie diese angehen. Wir alle haben 24 Stunden am Tag und 168 Stunden in der Woche zur Verfügung. Ein gewisses Quantum davon werde ich für meine beruflichen Ziele einsetzen. Das ist bei mir persönlich auch relativ hoch. Trotzdem bin ich mir sehr bewusst, dass auch die Beziehung zu meiner Frau und meinen Kindern Zeit benötigt, ebenso wie die Berücksichtigung meiner körperlichen Bedürfnisse. Und genauso wie jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann, habe ich (allem Gerede um Multitasking zum Trotz) jede Stunde und jede Minute nur einmal zur Verfügung. Da macht es eine Menge Sinn, die Zeiteinsätze ein bisschen zu planen, auch wenn es immer mal Zeiten geben mag, wo mal das eine, mal das andere stärker gewichtet wird.

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