Vergebung und Burnout

Vergebung und Burnout

Es ist knapp zwanzig Jahre her, da saß ich in einem Vortrag eines Psychologieprofessors einer großen deutschen Universität. Viel weiß ich davon nicht mehr, aber eine Aussage habe ich seither nicht mehr vergessen. Er meinte damals, dass wir in Deutschland etwa ein Drittel der Patienten in den psychiatrischen Kliniken nach Hause schicken könnten, wenn die Leute vergeben könnten.
 

Unversöhnlichkeit – ein großer Energiefresser

Ich habe diese Aussage v.a. auch deswegen nicht vergessen, weil ich seither unzählige Male erlebt habe, was für ein gewaltiger Energiefresser der Hass, das Nachtragen und die Unversöhnlichkeit ist.  Dabei geht es mir nicht darum, dass es nicht unverständlich wäre, dass das Vergeben zuweilen sehr, sehr schwer fallen mag. Dass der Mensch „des Menschen Wolf“ und zu schlimmen Dingen fähig ist, ist leider eine Tatsache, vor der wir nicht die Augen verschließen dürfen. Trotzdem dachte ich schon oft bei mir selbst, dass viele Menschen schon aus egoistischen Gründen vergeben sollten.
 

Viktor Frankl: "Ich weigere mich, meine Widersacher zu hassen!"

Dieser Meinung war offensichtlich auch der große Psychologe Viktor Frankl. Er hat seine ganze Familie in den Konzentrationslagern des dritten Reiches verloren und selbst nur knapp überlebt. Trotzdem ist er zunächst in Österreich geblieben und weigerte sich stets, von der „Kollektivschuld“ der Deutschen zu sprechen. Und schon im Konzentrationslager hat er erkannt, dass der Hass ihm die Lebensenergie rauben würde, die er zum Überleben so dringend benötigte.
 

Wer vergibt ist belastungsfähiger!

Die Dimension ist selbstverständlich eine andere, aber Lebensenergie ist auch heute noch eine entscheidende Ressource. Eine Ressource, die immer mehr Menschen abhanden kommt, wie die epidemische Ausbreitung des Burnoutsyndroms zeigt. Und auch bei so manchem Burnoutbetroffenen bzw. –gefährdeten habe ich schon den Eindruck gehabt, dass er viel mehr Energie zur Bewältigung seiner Anforderungen zur Verfügung gehabt hätte, wenn er denn vergeben könnte. Wenn dann zur Unversöhnlichkeit noch irgendein Belastungselement dazukommt… ist der Burnout tatsächlich oft nicht mehr weit.
 

Ostern – Inspiration zum Einüben des Vergebens

Am Sonntag ist Ostern. Im Zentrum des wichtigsten Festes der Christenheit steht die Botschaft von der Vergebung. Nicht nur wegen unserer Gesundheit und unserer Lebensenergie, aber gerade auch deswegen wäre es doch eine großartige Sache, wenn wir uns davon inspirieren ließen, vergeben zu lernen und Vergangenes dort zu lassen, wo es hingehört: in der Vergangenheit.

In diesem Sinne,

Markus Frey
stressfrey(at)googlemail.com
 

Ein Kommentar

  1. Martin 8. Juni 2012 um 13:46 Uhr- Antworten

    Auf den Punkt gebracht – auch wenn Ostern schon ein Weilchen vorbei ist 😉
    Aber zum Vergeben ist immer die richtige Zeit – nicht nur für die anderen auch für einen selbst. Einer der zentralen Punkte des christlichen Denkens, der sich quer durch das Leben der Menschen und auch das Arbeitsleben durchzieht.
    Danke für den Post 

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