Hirnforscher haben uns schon lange darauf hingewiesen, dass Multitasking vor allem eines ist: ein gewaltiger Selbstbetrug. Sobald ein menschliches Gehirn zwei bewusste Gedankengänge gleichzeitig verfolgen muss, steigt es aus. Dabei ist es auch völlig egal, ob es sich um ein weibliches oder ein männliches Gehirn handelt.

 

Erhöhte Fehlerhäufigkeit bei Multitasking

Nach wie vor ist der Mythos weitverbreitet, dass Multitasking die Produktivität und die Effizienz erhöht. Aber es ist wie gesagt ein Mythos, das Gegenteil ist richtig. Die Wissenschaft war sich darüber schon seit langem einig. Aber auch Praxisstudien lieferten in den vergangenen Jahren ernüchternde Ergebnisse. So kam eine entsprechende Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zum Schluss, dass nicht nur die Fehlerhäufigkeit signifikant erhöht wurde, sondern dass diese Fehler zudem auch noch seltener erkannt und folglich auch nicht korrigiert wurden.

 

Multitasking-Folge: Zeitverlust

Interessant ist, dass die Multitasker in der Regel zutiefst von der erhöhten Effizienz und Produktivität ihrer Arbeitsmethode überzeugt sind. Doch auch hier liefern die Mess-Resultate andere Ergebnisse. Am Ende des Tages ist fast immer ein eher mehr als weniger großer Zeitverlust zu konstatieren. Und das ist noch sehr zurückhaltend ausgedrückt. Die Wahrheit ist, dass der Zeitverlust meistens sehr hoch ist. Schon eine Arbeitsunterbrechung von drei Minuten kostet uns in der Regel zwei weitere Minuten bis wir wieder auf dem Stand vor der Unterbrechung sind.

 

Auch Frauen sind nicht besser im Multitasking

Wenig überraschend sind damit auch die Ergebnisse einer Studie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen, die im vergangenen Sommer vorgestellt wurde und die mit einem weiteren Mythos aufräumt. Ergebnis: Frauen sind nicht besser im Multitasking als Männer. Doch auch letztere sollten nicht zu sehr jubeln. Die Männer sind nämlich nicht etwa gleich gut wie die Frauen, vielmehr die Frauen gleich schlecht wie die Männer…

 

Multitasking erhöht den Stress massiv

Hochgradig automatisierte Prozesse können wir durchaus zusammen mit einem(!!) bewussten Prozess ausführen, z.B. wenn wir spazieren gehen und dabei sprechen. Sobald wir aber versuchen, zwei bewusste Prozesse gleichzeitig zu bewältigen, erzeugen wir in unserem Gehirn vor allem eines: massiven Stress. Die schon angesprochene Fehlerhäufigkeit, Zeitverlust etc. tun dann noch ein Übriges. Neben vielen anderen Folgen bedeutet fortgesetztes Multitasking auch eine verringerte Belastungsfähigkeit und für viele eine nicht unerhebliche Gesundheitsgefahr.
Es gibt dabei durchaus Ausnahmen, die es lieben, wenn „der Bär tanzt“. Leistungsfähiger sind allerdings auch diese Leute nicht, sie empfinden allenfalls die damit für die meisten verbundene Drucksituation weniger.

 

Fazit: Arbeiten Sie die Dinge nacheinander ab

Das Fazit ist so einfach wie wirkungsvoll: Wer effizient und produktiv sein will, der arbeitet seine Aufgaben nacheinander ab. Die Fehlerhäufigkeit sinkt, der Zeitaufwand auch. Und viel gesünder ist es auch, weil ungesunder Stress deutlich reduziert wird.

Markus Frey, Life-Coach, Köln
info(ät)stressfrey.de

 

Quelle: Spiegel.de – Frauen sind keine besseren Multitasker

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