Warum die tägliche Entscheidungslast weniger an Ihrem Kalender liegt als an Ihrer Werte-Klarheit

Tagtäglich treffen Sie unzählige Entscheidungen – kleine und große, bewusste und beiläufige. Für viele Menschen ist genau diese Masse an notwendigen Entscheidungen der größte Stressfaktor überhaupt. Und je weniger klar die eigenen Werte sind, desto schwerer fällt jede einzelne davon. Das hat wenig mit Intelligenz zu tun und viel mit Orientierung.

Denn jede Entscheidung ist im Kern ein Abwägen: Was ist mir in diesem Moment wichtiger? Wer diese Frage nicht aus einem festen inneren Maßstab heraus beantwortet, muss sie jedes Mal von Grund auf neu verhandeln. Das kostet Zeit – vor allem aber kostet es Energie. Genau jene Energie, die Ihnen am Abend fehlt und die am nächsten Morgen nicht von selbst zurückkehrt. Werte und Entscheidungen gehören dabei untrennbar zusammen – auch wenn den wenigsten dieser Zusammenhang bewusst ist.

Werte sind mehr als Tugenden

Wenn an dieser Stelle von Werten die Rede ist, eht es um etwas Grundlegenderes als um Tugenden. Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Zivilcourage – so bedeutsam diese Haltungen sind, an dieser Stelle geht es um etwas anderes: um all das, was Ihnen etwas wert ist. Werte heißen deshalb Werte. „Gesundheit" ist ein Beispiel, das häufig fällt. „Familie" ein zweites. „Karriere" ein drittes.

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Die Reihenfolge macht den Unterschied

Das sind drei Werte – und drei, die zu den meistgenannten überhaupt gehören. Hier beginnt die eigentliche Herausforderung: Können Sie diese drei in eine für Sie persönlich gültige Reihenfolge bringen? Können Sie benennen, welcher Ihr wichtigster, welcher Ihr zweit- und welcher Ihr drittwichtigster Wert ist? Und wie steht es um all Ihre weiteren Werte?

Wichtig sind sie vermutlich alle. Gleich wichtig sind sie damit noch lange nicht. Und regelmäßig stehen sie in direkter Konkurrenz zueinander: der Anruf am späten Abend oder das gemeinsame Essen mit der Familie. Das lukrative Projekt oder die Regeneration, die Ihre Gesundheit braucht. Der nächste Karriereschritt oder die Zeit, die er Sie zu Hause kostet. In solchen Momenten entscheidet Ihre Werte-Hierarchie – ob Sie sie kennen oder nicht.

 

Was ohne Werteranking geschieht

Fehlt diese Klarheit, sind Sie in bester Gesellschaft: Der überwiegende Teil der Menschen kennt die eigene Werte-Rangfolge nicht und trägt aus genau diesem Grund einen erstaunlichen Rattenschwanz an Problemen mit sich herum. Entscheidungen werden aufgeschoben, wieder aufgerollt, im Nachhinein angezweifelt. Was längst entschieden gehört, kehrt in Gedanken immer wieder zurück.

Ein Beispiel: Eine Anfrage landet auf Ihrem Tisch – ein zusätzliches Mandat, ein Sitz in einem weiteren Gremium, ein reizvolles Projekt. Ohne klare Werte-Rangfolge beginnt jetzt ein tagelanges inneres Ringen. Sie wägen ab, holen Meinungen ein, verschieben die Antwort. Und selbst nachdem Sie zu- oder abgesagt haben, arbeitet die Frage in Ihnen weiter. Genau dieses Nachlaufen kostet Kraft – lange nachdem die Entscheidung äußerlich gefallen ist.

Dieses ständige innere Nachverhandeln ist einer der größten stillen Energiefresser im Alltag von Hochleistern. Denn ohne inneren Maßstab wird jede Wahl zur Grundsatzfrage. Der Kopf rechnet Optionen durch, die längst hätten entschieden sein können. Am Ende eines solchen Tages sind Sie erschöpft, ohne recht benennen zu können, wovon eigentlich. Die eigentliche Arbeit lag im Abwägen; das Tun selbst war der kleinere Teil.

 

Warum Werte und Entscheidungen zusammengehören

Warum das so ist? Weil Sie jede Entscheidung – ob „klein“ oder „groß“ – auf der Grundlage Ihrer Werte treffen. Auch dann, wenn Sie diese Werte nie bewusst benannt haben. Wer beim Entscheiden regelmäßig ins Straucheln gerät, hat höchstwahrscheinlich vor allem eines: ein Werteproblem, genauer: ein Problem der ungeklärten Bedeutung von unterschiedlichen Werten.

Umgekehrt gilt: Wer seine Werte kennt und in eine klare Rangfolge gebracht hat, hat die meisten Entscheidungen bereits im Vorfeld getroffen. Geklärte Werte machen viele Folgeentscheidungen deutlich leichter: Sie justieren nur von Zeit zu Zeit nach, statt bei jeder Frage von vorn zu beginnen. Steht die Gesundheit über dem nächsten Projekt, ist die Frage nach dem dritten Abendtermin dieser Woche keine Frage mehr. Die Antwort steht fest, bevor die Einladung überhaupt eintrifft.

 

Klare Werte, geschützte Energie!

Hier schließt sich der Kreis zur Lebensenergie. Jede unnötig verhandelte Entscheidung zieht Kraft ab. Jede im Nachhinein bereute Wahl zieht weiter Kraft ab. Über einen einzelnen Tag betrachtet mag das nach wenig klingen. Über Wochen und Monate summiert sich dieser verdeckte Energieabfluss jedoch zu genau der Erschöpfung, die viele Hochleister vorschnell ihrer Arbeitsmenge zuschreiben. Am stärksten zehrt dabei die Zahl der ungeklärten Entscheidungen, die hinter den sichtbaren Aufgaben stecken.

Wer dagegen aus einem klaren Werte-Fundament heraus entscheidet, entscheidet schneller, ruhiger und dauerhafter. Er erspart sich das zermürbende Hin und Her und behält seine Energie für das, was wirklich zählt. Das ist auch der Grund, warum Menschen mit klaren Werten Krisen souveräner navigieren. Wenn von außen alles in Bewegung gerät, müssen sie den festen Punkt nicht erst suchen – sie tragen ihn in sich. Geklärte Werte bilden den inneren Kompass, der auch dann noch die Richtung weist, wenn die äußeren Landmarken verschwunden sind. Wer einmal für sich geklärt hat, wie eng Werte und Entscheidungen zusammenhängen, spürt genau hier den Unterschied im eigenen Energiehaushalt.

Einmal klären, hundertfach profitieren

Die eigenen Werte einmal gründlich zu ordnen, wirkt zunächst wie eine zusätzliche Aufgabe auf einer ohnehin vollen Liste. Tatsächlich ist es die Investition mit der höchsten Rendite in Ihrem gesamten Selbstmanagement. Sie leisten diese Denkarbeit ein einziges Mal – und ernten den Ertrag bei jeder folgenden Entscheidung. Wo andere bei jeder Anfrage von Neuem beginnen, greifen Sie auf einen Maßstab zurück, der bereits steht. Das macht Sie im entscheidenden Moment schneller und zugleich ruhiger. Sie wissen, warum Sie zusagen oder absagen, und Sie wissen es sofort. Ein Nein, das aus einer klaren Werte-Hierarchie kommt, trägt eine ganz andere Qualität als ein Nein, das Sie sich mühsam abringen: Das eine gibt Ihnen Kraft zurück, weil es Ihre Prioritäten bestätigt. Und genau diese Bestätigung ist es, die Sie über den Tag hinweg trägt – lange nachdem die Entscheidung selbst schon vergessen ist.

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Lernen Sie Ihre Werte kennen

Wenn Sie ein Leben voller Energie führen und zugleich souverän durch schwierige Zeiten navigieren wollen, dann führt der Weg über Ihre Werte. Nur im Bewusstsein der eigenen Werte können Sie im Einklang mit ihnen leben. Werte und Entscheidungen laufen dann in dieselbe Richtung, statt sich gegenseitig zu blockieren. Und ein Leben in Übereinstimmung mit den eigenen Werten ist die tragfähigste Grundlage für langfristige Erfüllung – und für Spitzenenergie, die auch morgen noch trägt.

Der erste Schritt ist unspektakulär und doch entscheidend: sich die eigenen Werte bewusst zu machen und sie ehrlich zu ordnen – so, wie Sie tatsächlich leben wollen, jenseits der Hochglanz-Antworten, die man gern von sich selbst erwartet.

Markus Frey