Nebennierenerschöpfung

Nebennierenerschöpfung

Die Tatsache, dass viele Menschen zunächst unter einer Überproduktion der Stresshormone leiden und darunter, dass sie ihren Stresshormonspiegel nicht regelmäßig (z.B. durch Bewegung) abbauen, hat leider dazu geführt, dass ein Ereignis von weit höherer Dramatik oft übersehen wird: die Nebennierenerschöpfung.

Doch es ist für Ihre Lebensqualität von entscheidender Bedeutung, dass Ihre Nebennieren, der Ort wo die Stresshormone großenteils produziert werden, gut funktionieren! Wie bei einem Akku produziert sie in der Nacht ihre energieliefernden Substanzen (eben die Stress- oder Nebennierenhormone), die Sie dann tagsüber abgeben können.

Ist nun ein Mensch über einen längeren Zeitraum hohen Belastungen („Stress“) ausgesetzt, besteht jedoch die Gefahr der Nebennierenerschöpfung, bzw. der Nebennierenschwäche. Der süddeutsche Gynäkologe und Hormonexperte Dr. Markus Windstoßer unterscheidet drei Phasen der Nebennierenerschöpfung:

  • Die Übertreibungsphase
  • Die Erschöpfungsphase
  • Die Verzweiflungsphase


Die Übertreibungsphase – wenn die Nebennieren Überstunden machen

In der Übertreibungsphase merkt der Patient oft noch nicht, dass seine Gesundheit mehr und mehr angegriffen wird. Er fühlt sich noch nicht wirklich erschöpft, die enormen Anforderungen in verschiedenen Lebensbereichen werden „gestemmt“. Folge: die Nebennieren laufen auf Hochtouren und insbesondere der Cortisolspiegel ist dauerhaft erhöht. Erste Warnsignale sind aber eigentlich nicht zu übersehen. Windstoßer führt folgende Gesundheitsprobleme, die in dieser Phase typisch sind, auf (1):

  • Bluthochdruck
  • Brustspannen
  • Fibroadenome
    (gutartige Knoten der weiblichen Brust)
  • Gewichtszunahme im Bauchbereich
  • Herzklopfen
  • Myome
  • Überstarke Regelblutung
  • Neigung zu Durchfall
  • Nervosität
  • Prämenstruelles Syndrom
  • Reizbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Sodbrennen
  • Übelkeit
  • Übermäßiges Schwitzen
  • Unruhe
  • Verschwommene Sicht

 

Die Erschöpfungsphase – Wenn der „Akku“ leer ist

Diese Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass das Hauptproblem nun nicht mehr der erhöhte Cortisolspiegel ist, sondern ein weitgehend zu niedriger Cortisolspiegel. „Weitgehend“ deshalb, weil er am Morgen oft noch normal oder sogar leicht erhöht ist, aber bereits im Laufe des Vormittags rapide abfällt. Der Patient ist dadurch schon früh am Tag stark ermüdet und  hat keine Energie mehr. Einen Cortisolmangel („Hypocortisolismus“) entwickeln etwa 20 bis 25% der von chronischem oder traumatischem Stress Betroffenen (2).

Typisch für Menschen mit Cortisolmangel ist eine Trias aus Schmerzempfindlichkeit (z.B. bei Fibromyalgie, -Schmerzen in immer wieder wechselnden Regionen des Körpers-) , Müdigkeit (Burnout, CFS) und Stressintoleranz (Reizbarkeit, Hyperreagibilität). (3) Windstoßer führt für die Erschöpfungsphase folgende typischen Krankheiten auf:

  • Allergien, Neurodermitis
  • Asthma
  • Chronische Erkältungen, Pilzinfektionen und Blasenentzündungen
  • Erschöpfung
  • Gewichtszunahme
  • Muskel- und Gliederschmerzen
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Müdigkeit
  • Regelschmerzen und Zyklusstörungen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Reizbarkeit
  • Reizdarmsyndrom
  • Ständige Erkältung

Irritierend für viele ist, dass diese Krankheiten häufig gerade nicht während der Zeit der höchsten Belastung auftreten, sondern am Wochenende oder im Urlaub. Der Grund liegt darin, dass die Nebennieren zwar lange Zeit zuviel Stresshormone produzieren mussten. Solange der Stress angehalten hat, haben sie sozusagen das letzte an Cortisol und Adrenalin was gerade noch eben ging „herausgequetscht“. Als dann die Entspannungssituation eingetreten ist, ist der „Akku“ der Nebennieren zusammengebrochen. In der Folge sind eine oder mehrere der oben aufgeführten Krankheiten entstanden (oder auch andere, die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit).

 

Die Verzweiflungsphase

In dieser Phase sind die Nebennieren bereits so erschöpft, dass sie kaum noch das Quantum an Stresshormonen ausschütten können, das für die Aufrechterhaltung von normalen Vorgängen im Körper notwendig ist. Der Cortisolmangel führt u.a. dazu, dass Entzündungsvorgänge im Körper nicht mehr adäquat abgewehrt werden können. Auch die Gefahr des Ausbruchs von Autoimmunkrankheiten (Krankheiten, bei denen das Körperabwehrsystem sich gegen körpereigenes Gewebe richtet) wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Multiple Sklerose u.a.m. steigt durch die nun entstandene Nebennierenschwäche stark an. Auch Arthritis, schweres Asthma, Herzkrankheiten, Krebs, starkes Übergewicht und Sterilität sind typische Krankheiten für die nun eine erhöhte Gefährdung besteht. Dazu kam es, weil die Warnsignale aus den ersten beiden Stadien der Nebennierenerschöpfung ignoriert wurden, häufig jahrelang.

 

Häufige Fehldiagnosen aufgrund falscher Untersuchungsmethoden

Die Nebennierenerschöpfung wird als solche häufig nicht erkannt, was seinen Grund in ungeeigneten Untersuchungsmethoden hat. Insbesondere die Erfassung des Cortisolspiegels über das Blut ist hier wenig hilfreich. Cortisol wird zu einem großen Teil in der zweiten Nachthälfte produziert und so ist bei einer frühmorgendlichen Blutabnahme der Cortisolspiegel oft noch normal oder sogar leicht erhöht.

Deshalb ist für eine präzise Diagnose neben der Erstellung eines Blutbilds und der Erhebung verschiedener Schilddrüsenwerte v.a. die Erstellung eines Cortisoltagesprofils zwingend notwendig. Um dieses zu erstellen, wird an einem ruhigen Tag, z.B. am Wochenende, drei bis vier Mal Speichel gesammelt.

Vor einigen Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation WHO den Stress als größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts benannt. Die Nebennierenerschöpfung ist die folgenreichste Ausprägung dieser Gefahr und Auslöser für eine Vielzahl von Krankheiten. Eine deutlich erhöhte Sensibilisierung ist sowohl von Seiten der medizinischen und paramedizinischen Berufsgruppen (insbesondere der Ärzte) als auch der Bevölkerung von kaum zu überschätzender Bedeutung für die Volksgesundheit.

Markus Frey, Life-Coach, Köln
info(at)stressfrey.de

PS Viele Hinweise und Tipps, wie Sie einem Burnout vorbeugen und den Stress in den Griff kriegen können, erhalten Sie in meinem Buch "Den Stress im Griff".  Holen Sie sich das Buch und lernen Sie mit den 44 Tipps mit neuer Souveränität Ihren Alltagsstress zu meistern.

Quellen:

(1) Windstoßer, Markus; Wenn kein Arzt die Ursache findet... – So stoppen Sie Erschöpfung und chronische Krankheiten durch die Behandlung Ihrer Nebennierenerschöpfung, 2008, Deggingen

(2) Heim C, Ehlert U, Hellhammer DH. The potential role of hypocortisolism in the pathology of stress-related bodily disorders. Psychoneuroendocrinology 2000;25(1):1–35.

(3) http://www.orthoanalytic.ch/fachbereich/pdf/Cortisol_und_DHEA.pdf

2018-11-03T12:33:34+01:00 Allgemein, Burnout|3 Kommentare

3 Kommentare

  1. Doris Grellmann 5. Februar 2013 um 21:17 Uhr- Antworten

    Sehr geehrter Herr Frey,
    ich bin Heilpraktikerin und interessiere mich für ein Labor, welches die analyse von Cortisol-Tagesprofilen als Speicheltest anbietet.
    Bin Ihnen sehr dankbar für eine Nachricht.

    Herzlichen Dank
    Doris Grellmann

  2. Matschinsky 9. April 2013 um 18:38 Uhr- Antworten

    Sehr interessante Seite!!

  3. Schwägerl Ilse 16. März 2014 um 5:54 Uhr- Antworten

    Danke für diesen wunderbaren Artikel. Nach vielen Jahren, in denen ein Cortisolmangel vorhanden war und kein Arzt ihn diagnostizierte wurde endlich von einem Naturheilkundler der Cortisolmangel herausgefunden. Nun heißt es richtig vorzugehen und keine Fehler bezüglich Therapie zu machen. Ihr Artikel hilft mir dabei.

Hinterlassen Sie einen Kommentar