Stresslexikon

Stresslexikon 2017-05-31T17:10:58+02:00

ACTH (adrenokortikotropes [=zur Nebennierenrinde gehöriges] Hormon ); Hormon, das von der Hirnanhangdrüse in das Blut abgesondert wird. Das ACTH führt dazu, dass die Nebennierenrinde ihre Kortikoide auschüttet.

Adrenalin; das Adrenalin ist ein zu den Katecholaminen gehörender Neurotransmitter und war das erste rein dargestellte und synthetisierte Hormon (durch Aldrich und Takamine in 1901). Es wird im Nebennierenmark gebildet. Im Ruhezustand ist die Adrenalin-Ausschüttung gering, wird aber bei psychischem oder körperlichem Stress stark erhöht.

Bei der Adrenalinausschüttung werden die adrenergen Rezeptoren des sympathischen Systems erregt (Sympathikuswirkstoff). Dies führt zu einer Steigerung der Pulsfrequenz, des Herzminutenvolumens und des systolischen Blutdrucks. Ebenso kommt es zu einer Pupillenerweiterung und einer Verengung der Blutgefäße. Dadurch hat das Adrenalin auch eine blutstillende Wirkung.

Antioxidantien (Oxidationshemmer); dies sind die Gegenspieler der freien Radikalen, die eingefangen werden, womit weitere Kettenreaktonen blockiert werden. Antioxidantien werden vor allem über die Nahrung zugeführt. Neben Gemüse wie Tomaten, Kohl, Brokkoli und Spargel ist an dieser Stelle auch die Muttermilch zu erwähnen, die für das Baby auch eine wichtige Rolle bei der Infektabwehr spielt.

Burnout; unter Burnout (engl.: ausgebrannt) verstehen wir einen Zustand von chronischer Überforderung der psychischen Belastbarkeit. Der Begriff wurde 1974 von dem deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger eingeführt, der seine Beobachtungen zunächst bei Angehörigen von helfenden Berufen (Altenpfleger, Krankenschwestern, Ärzten, Geistlichen, Sozialarbeitern und –pädagogen, Lehrern etc.) machte. Später wurde auch der Terminus „Manager-Krankheit“ populär. In den vergangenen Jahren hat sich nun aber die Zahl der Betroffenen so stark erhöht, dass kaum eine Berufsgruppe davon ausgenommen werden kann. Eine hohe Gefährdung ist u.a. dann gegeben, wenn die Belastungen über einen längeren Zeitraum (strain) andauern.

Eine gewisse Rolle spielen dabei auch überhöhte Leistungserwartungen von Dritten (Kunden, Vorgesetzten, Partnern) oder unzureichende Arbeitsbedingungen. Entscheidend für die Entwicklung eines Burnout scheint nach heutiger Erkenntnis aber weniger die äußere Belastung an sich, sondern die Einstellungen des Patienten zu seiner Arbeit zu sein. Dazu gehören u.a. überhöhte Leistungserwartungen, die der Patient an sich selber stellt, die enge Verbindung des Selbstwerts mit den erbrachten Leistungen (die vom Patienten oft als „nicht genügend“ bewertet werden), die schlecht oder gar nicht entwickelte Fähigkeit, sich abzugrenzen („Nein“ sagen können) und Perfektionismus. In der Folge entwickelt sich dann der (meist schleichende) Verlust eines Gefühls der Sinnhaftigkeit des persönlichen Engagements im Speziellen und des Lebens im Allgemeinen als stärkste Indikatioren für die Diagnose des Burnout-Syndroms.

Die Überforderung des von Burnout Betroffenen zeigt sich zunächst mit Unlust, Reizbarkeit, Unzufriedenheit, Zynismus und Motivationsverlust („Ich muss mich zur Arbeit zwingen“). Bei den körperlichen Folgen finden wir die ganze Palette der Krankheiten, denen eine starke psychosomatische Komponente zugeschrieben wird, wie Magen-Darm-Probleme, Rückenschmerzen (Verspannungen), Kopfschmerzen und Migräne.

Burnout – von der Manager- zur Volkskrankheit

Cannon, Walter Bradford; *1871, †1945. US-amerikan. Physiologe. Bekannt ist Cannon vor allem durch die nach ihm benannte Cannonsche Reaktion. Darunter wird eine Notfallsreaktion verstanden, eine schnell erfolgende neuroendokrine Reaktion des Organismus auf Reize und Belastungen (Stress). Es kommt in der Folge zu einer Erhöhung des Sympathikotonus und einer gesteigerten Adrenalin-Auschüttung. Dies führt zu Blutdruckerhöhung, einer Steigerung der Pulsrate, einer Blutzuckervermehrung und anderer Indikatoren einer allgemeinen Aktivitätssteigerung.

Cortisol; das C. ist ein Steroidhormon, das aus Cholesterin in der Nebennierenrinde unter dem Einfluss des Gehirns (Hypothalamus) und der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet wird. Es ist neben Adrenalin und Insulin eines der drei wichtigsten Hormone für den Menschen, da es wie die beiden anderen auch für einige grundlegende Lebensfunktionen verantwortlich ist, wie z.B. die Aufrechterhaltung des Blutdrucks und die Regulierung des Zuckerhaushalts.
Das Stresshormon Cortisol hat insbesondere auch eine entzündungshemmende, antiallergische und schmerzstillende Wirkung.
Bei hoher Stressbelastung schütten die Nebennieren verstärkt Cortisol aus. Wenn der Cortsolspiegel nicht regelmäßig abgebaut wird, kann es dadurch zu unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen kommen. Besonders gefährlich wird es, wenn im Zuge einer Nebennierenerschöpfung vom Körper nur noch eine ungenügende Menge an Cortisol bereitgestellt werden. Hier ist das Einfallstor für das Entstehen vieler weiterer Krankheiten, u.a. auch Krebs, Multiple Sklerose etc.

Distress war der von Hans Selye gewählte Begriff für diejenige psychische Belastung, die wir heute umgangssprachlich gemeinhin einfach als „Stress“ bezeichnen und die im Allgemeinen als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd erlebt wird.

Eustress; obwohl der Eustress (=“guter Stress“) ebenfalls ein Erregungspotential hat, wird dieser als positiv erlebt und wirkt sich auch positiv auf die psychische und physische Gesundheit aus. Er sorgt für eine Erhöhung der Aufmerksamkeit und fördert das Erbringen der maximalen Leistungsfähigkeit und die Leistungsentwicklung.

Freie Radikale; Freie Radikale sind ein Zwischenprodukt des Sauerstoffes, dem in der chemischen Struktur ein Elektron fehlt. Sie sind daher sehr aggressiv und reaktionsfreudig, d.h. sie versuchen anderen Verbindungen ein Elektron zu entreißen oder geben selbst eines ab, wodurch wieder neue Radikale entstehen. Bei einer „Überproduktion“ von freien Radikalen kann es zur Entstehung von Tumoren, Herz-Kreislauferkrankungen, verschiedenen Formen des Rheumatismus, Augenerkrankungen etc. kommen. Außerdem fördern die freien Radikale den Alterungsprozess im Gehirn.
Die Gegenspieler der freien Radikale sind die Antioxidantien. Wenn diese das Entstehen der freien Radikale nicht oder nur ungenügend eindämmen können, spricht man von Oxidativem Stress.

G.A.S.; General Adaptation Syndrome, dt. allgemeines Anpassungssyndrom, auch „biologisches Stress-Syndrom“.

Homöostase; sie hält das sogen. innere Milieu (frz. milieu interne) konstant. Dies geschieht mit Hilfe von Regelsystemen (Regelung des Kreislaufs, der Körpertemperatur, des pH-Werts, des Wasser- und Elektrolythaushalts, Steuerung des Hormonhaushalts u.a.) mit dem Hypothalamus als übergeordnetem Zentrum.

Hypophyse (grch. phyesthai entstehen, wachsen); Hirnanhangdrüse. Das kirschgroße, endokrine Organ ist über den Hypophysenstiel direkt mit dem Hypothalamus verbunden und bildet mit diesem eine morpholog. und funktionelle Einheit.

Hypothalamus; der HT. ist eine Hirnregion an der Schädelbasis (von grch. thálamos Lager, Kammer) und Teil des Zwischenhirns. Im HT befinden sich Zentren, die dem autonomen Nervensystem übergeordnet sind. Sie koordinieren die wichtigsten Regulationsvorgänge des Organismus wie Wärmeregulation, Schlaf- und Wachrhythmus, Blutdruck- und Atmungsregulation, Nahrungsaufnahme (Hunger- und Sättigungszentrum), Fettstoffwechsel, Wasserhaushalt, Sexualfunktion und Schweisssekretion. Verschiedene endokrin wirksame Substanzen, die sog. Hypothalamushormone, werden im HAT gebildet.

Hypothalamus-Hypophysensystem; zentrales Steuer- und Regelsystem des Organismus. Es verbindet das Endokrinium (Hormonsystem) und das ZNS.

Katecholamine; eine Reihe von biogenen Aminen werden unter dem Sammelnamen Katecholamin subsummiert und dienen zur Signalüberrmittlung im Körper. Die bekanntesten unter ihnen sind wohl die beiden Neurtransmitter Adrenalin, Serotonin und Dopamin.

Kortikoide; Steroidhormone mit der Ausgangssubstanz Cholesterin, die in der Nebennierenrinde gebildet werden.

Nebennieren; die Nebenniere ist eine paarige Hormondrüse, die sich am oberen Ende beider Nieren befindet und etwa 8 bis 10 Gramm schwer ist. Sie ist sozusagen ein Doppelorgan. In der Nebennierenrinde werden Steroidhormone gebildet; sie ist am Wasser, Mineralstoff- und Zuckerhaushalt beteiligt. Das wichtigste dieser Steroidhormone ist das Stresshormon Cortisol.

In hohen Belastungsphasen sind die Nebennieren in besonderem Maße gefordert. Dauern solche Belastungsphasen ohne ausreichende Erholungszeit über längere Zeit an, kann es zur Nebennierenerschöpfung kommen. Diese wird häufig erst spät oder gar nicht erkannt, da die in Deutschland verwendete Untersuchungsmethode der Überprüfung des Cortisolspiegels im Blut dafür völlig unzureichend ist. Die Cortisolausschüttung in der Nebenniere ist häufig in der zweiten Nachthälfte am höchsten und da die Blutabnahme meistens am frühen Vormittag standfindet, wird eine Nebennierenerschöpfung nur selten als solche erkannt.

Neurotransmitter (Überträgerstoffe, Mediatoren, Transmitter) sind chemische Substanzen, die an den Synapsen im ZNS und peripheren Nerven eine Erregung weiterleiten. Die bekanntesten Neurotransmitter in Zusammenhang mit Stress sind das Adrenalin, das Dopamin und das Serotonin. Jedes Neuron kann jeweils nur einen Neurotransmitter synthetisieren und freisetzen. Dies ermöglicht eine Einteilung der Neuronen nach den erzeugten Neurotransmittern.

Oxidativer Stress; von „oxidativem Stress“ spricht man, wenn im Körper ein Übermaß an freien Radikalen vorhanden ist, der von den Antioxidantien nicht oder nur ungenügend eingedämmt werden kann.

Selye, Hans; *26.1.1907, †16.10.1982. Vater der Stressforschung und „Erfinder“ des Stressbegriffes (den er aus der Physik, genauer der Werkstoffkunde entnommen hat) in seiner medizinischen Bedeutung. Ebenso hat er die Termini „Eustress“ und „Distress“ eingeführt.

Serotonin ist ein Gewebshormon, das zu den Neurotransmittern zählt und in dieser Funktion für das Zentralnervensystem, das Darmsnervensystem, das Herz-Kreislauf-System und das Blut und da insbesondere für den Blutdruck von Bedeutung ist. Von seiner Wirkung auf den Blutdruck leitet sich auch der Name „Serotonin“ ab. Es ist jener Serumsbestandteil, der für die Regulierung des Tonus (Druck) in den Blutgefäßen verantwortlich ist.

Stressor; als S. werden Ereignisse bezeichnet, die in der Folge Stress auslösen (können, aber nicht müssen).

Thymusdrüse; die unterhalb der Schilddrüse, hinter dem Brustbein liegende Thymusdrüse ist ein lymphatisches Organ, das im Kindes- und Jugendalter am umfangreichsten ist. Danach bildet sie sich wieder zurück.

Thymus; [griechisch] der (Bries), hinter dem Brustbein liegendes lymphatisches Organ, das im Kindes- und Jugendalter am umfangreichsten ist. Im Thymus findet die Differenzierung der Stammzellen zu den für die zelluläre Abwehr B. bei der Abstoßung vonÿwichtigen T-Lymphozyten statt, die z. Gewebetransplantaten eine wichtige Rolle spielen. Außerdem hat der Thymus Einfluss auf Körperwachstum und Knochenstoffwechsel. Nach der Pubertät beginnt die Rückbildung des Thymus (Pubertäts- und Altersinvolution), sodass im Alter der Thymus im Wesentlichen zu einem Fettkörper mit vereinzelt eingestreuten Inseln aktiver Thymuszellen reduziert ist.

(c) Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 1999

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