Karriere top, Privatleben flop

Zugegeben, der Gedanke zu diesem Artikel wurde durch die schon länger bekannten Zwistigkeiten im Privatleben von Helmut Kohl ausgelöst, die durch den Tod des Ex-Kanzlers jetzt nochmal an die Oberfläche gespült wurden. Doch das prominente Beispiel steht leider „nur“ für unzählige andere Menschen für die gilt, was ein berühmtes Buch schon in den 80er Jahren titelte: „Beruflich profi, privat Amateur.“ Warum ist das so und vor allem: wie kriegt man es hin, dass sowohl Berufs- wie auch Privatleben gelingen?

 

Fokus

In der Leistungsgesellschaft, insbesondere der Wirtschaft, wird einem frühzeitig eingetrichtert, dass man sich fokussieren müsse, wenn man Erfolg haben wolle. Also wird alle Kraft in den beruflichen Erfolg gelegt, ohne großartig zu reflektieren, was für einen Preis man da bezahlt und ob dieser nicht zu hoch ist. Und natürlich wird dann genauso wenig reflektiert, ob es nicht vielleicht doch möglich ist, Erfolg sowohl im Beruf als auch im Privatleben zu haben (was immer man unter „Erfolg“ versteht) und was wiederum der Preis für diesen Doppelwunsch ist.

 

Nicht komplett falsch, aber…

Der Erkenntnis, dass eine berufliche Karriere eine gewisse Konzentration der Kräfte erfordert, ist zunächst wenig entgegenzusetzen. Auch dass die Familie da und dort zurückstecken muss, ist eine Wahrheit, der man sich stellen muss. Aber genau da, beim „stellen“, liegt allzu oft der Hund begraben…

 

Klarheit gegenüber sich selbst…

„Stellen“ bedeutet zunächst, dass ich mich gegenüber mir selber stelle, d.h. mir klar werde, was ich mit meinem Leben wirklich will, was mir mein Beruf bedeutet und was meine Familie und/oder andere zentrale Lebensbereiche mir bedeuten. Das ist anstrengend, ich weiß, und viele „entscheiden“ sich an dieser Stelle für die einfachere Variante. Die heißt „alle Zeit und Kraft dem Beruf, alles andere muss stets hinten anstehen.“ Das geht so lange halbwegs gut, wie man keine oder nur sehr geringe partnerschaftliche bzw. familiäre Verpflichtungen eingeht.

 

…und den Menschen, die einem viel bedeuten

Doch sobald ein zweiter Mensch involviert ist, wird die Sache zur Herausforderung. Diese besteht v.a. darin, dass die Klarheit, die man selber gewonnen hat, die Ziele, die man anstrebt und den Preis, den man für diese Ziele zahlen will, kommuniziert. Und das nicht nur am Anfang der Beziehung, sondern immer wieder.

 

Beruf  und Privatleben in der Realität

Doch genau diese regelmäßige Kommunikation über die gegenseitigen Bedürfnisse geschieht meistens nicht. Immer wieder neu wiederholt sich die Geschichte, dass zwei Menschen mit einer gemeinsamen Vision gestartet sind, dann sehr viel gearbeitet und umso weniger miteinander kommuniziert… und sich immer mehr entfremdet haben. Beide suchen die Anerkennung immer mehr außer Haus und früher oder später kommt man woanders nach Hause als zu Hause. Auch die folgenden Zeiten von Trauer, Wut und Verbitterung über verpasste Chancen wiederholen sich allzu oft.

 

Auch das Privatleben läuft nicht automatisch

„Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau“ (und umgekehrt) heißt es oft. Darüber hinaus ist es schon lange bekannt, dass Menschen, die in einem starken Beziehungsnetz aufgehoben sind, deutlich belastungsfähiger sind. Doch auch Beziehungen kosten ihren „Preis“. Zuerst und vor allem einen Preis in der Währung „Zeit“. Je früher wir dies erkennen umso besser. Und wie ein einmaliges mehrstündiges Training aus einer Couchpotato noch keinen fitten Supersportler macht, so macht auch ein dreiwöchiger Traumurlaub auf den Malediven aus einer schwachen, von viel Frustration geprägten Beziehung noch kein Traumpaar bzw. eine Traumfamilie.

Fazit: Zeit-Investitionen sind gefragt – auch im Privatleben

Gefahren für unsere Beziehungen gibt es gerade auch für Selbstständige und Führungskräfte (mit denen ich in erster Linie unterwegs bin) mehr als genug und ich denke, es ist keiner davor gefeit, auch der Autor dieses Beitrags nicht. Wir sind diesen Gefahren aber auch nicht hilflos ausgeliefert. Am besten können wir ihnen begegnen, wenn wir erkennen, dass jede Beziehung eine Investition benötigt, eine Investition an Zeit vor allem. Lassen Sie uns also Zeit in unser Privat-, insbesondere in unser jeweiliges Familienleben investieren. Qualitätszeit, in der wir gegenseitig lernen, die Bedürfnisse des bzw. der anderen wahrzunehmen, uns gegenseitig auszutauschen und so auch unser privates Beziehungsnetz wieder neu stärken.

Markus Frey
info(ät)stressfrey.de

 

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2017-07-05T13:48:05+00:00 Juli 5th, 2017|Allgemein|0 Kommentare

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